Geboren 1980 in Bern und aufgewachsen in einer Musikerfamilie, studierte Noëlle-Anne Darbellay an der Hochschule der Künste Utrecht in den Niederlanden bei Karen Turpie und an der Hochschule für Musik Genf bei Stefan Muhmenthaler. Seither ist sie seine Assistentin im Bereich der zeitgenössischen Violinliteratur. Wichtige Impulse erhielt sie von David Takeno, Felix Andrievsky, Bruno Canino, Siegfried Palm und für die Barockvioline von Julia Schröder. 
Als Solistin trat sie u.a. am Lucerne Festival, Festival „rainy days“ in der Philharmonie Luxembourg, Musiksommer Ernen, New Music Festival Krakau, an den ISCM World New Music Days, Rencontres musicales de Champéry, Music Documents Tokyo und dem Festival International de Musique Tibor Varga in Sion auf. Ihre rege Tätigkeit als Kammermusikerin – insbesondere mit ihrem Bruder, dem Hornisten Olivier Darbellay – führte sie auf zahlreiche Konzertreisen in Europa und Asien. Sie ist Mitglied des Nouvel Ensemble Contemporain, Konzertmeisterin des Ludus Ensembles Bern und Gast unter anderem beim Kammerorchester Basel und der Freitagsakademie für alte Musik.
Ein besonderes Interesse von Noëlle-Anne Darbellay gilt der neuen Musik und sparten-übergreifenden Projekten. Als singende und rezitierende Geigerin brachte sie zahlreiche Kompositionen zur Uraufführung, darunter Werke von Jürg Wyttenbach, mit Produktionen am Deutschlandfunk, Radio Denmark, SRF2 Kultur und Espace2. Für Performances wurde sie u.a. von der Albertina Wien, Sprengel Museum Hannover, Brunel University London, Museum der Moderne Salzburg, Great Gutter Festival Zürich, Kunstmuseum St.Gallen, Dampfzentrale Bern und dem Centre Dürrenmatt Neuchâtel eingeladen. CD-Einspielungen mit Werken von Jean-Luc Darbellay bei Grammont und mit dem Ensemble Leones für alte Musik bei Christopherus.
Zusammen mit dem Künstler Francisco Sierra und dem Hornisten Samuel Stoll bildet sie das Kollektiv Jetpack Bellerive. In thematischen Projekten erforschen sie die Grenzbereiche zwischen neuer Musik, bildender und darstellender Kunst.
Für ihre Tätigkeiten erhielt Noëlle-Anne Darbellay 2011 den Anerkennungspreis für Musik des Kantons Bern.

 

Presse

[....] Dieses absurde Theater ist sehens- und hörenswert: Die Sopranistin [Noëlle-Anne Darbellay] singt unverständliche Texte in virtuosen Opernkoloraturen, das Orchester hingegen wird vom Chor gemimt und gesungen, ein Sprecher deklamiert Mani Matters (hochdeutschen!) Text, ein Pantomime, ein Cellist und der Schauspieler versuchen nebenbei in immer absurderen Verrenkungen die Gunst der Sopranistin zu erringen. Das ist unterhatames Musiktheater, ein Sammelsurium aus Sprachwitz und musikalischen Clownerien.
[...] Jürg Wyttenach konnte auf die Solisten zählen, zum Beispiel auf die Geigerin Noëlle-Anne Darbellay, welche die «Trois chansons violées» virtuos sang und spielte.

aus der Rezension von Reinmar Wagner in Musik und Theater,  Ausgabe November/Dezember 2015, über die Uraufführung von Jürg Wyttenbachs Anti-Oper „Der Unfall“ am Lucerne Festival 2015. Text von Mani Matter. Regie Désirée Meiser. Mit Silvester von Hösslin, Daniele Pintaudi, Matthias Schranz und den Basler Madrigalisten unter der Leitung von Raphael Immoos.

 

[...] The Swiss violinist Noëlle-Anne Darbellay, who had given a fearless interpretation of Wyttenbach’s Trois chansons violées für eine singende Geigerin – lamenting a drunken rape with everything from wails above harsh pizzicato to the vibration of a needle beneath the strings of her instrument – then posed as an opera singer, uttering gibberish in vain self-glorification.
Classical Voice North America, Rebecca Schmid, 31.08.2015

 

Noëlle-Anne Darbellay est une flamboyante violoniste – elle a toutes les grâces, non seulement magnifique au violon, mais aussi vraie chanteuse.
La Nouvelle République, 16.6.2014

 

[...] erlebte man die faszinierende singende Geigerin Noëlle-Anne Darbellay. Sie packte ihr wunderbarstes Berndeutsch aus und entlockte ihrer Geige die erlesen schönsten Töne. Dass neue Musik nur das Hässliche zelebriere – hier stimmt das definitiv nicht. Basler Zeitung, 18.3.2010

 

Die überragenden technischen Fähigkeiten der jungen Geigerin werden nicht nur bei den klassischen virtuosen Kunstgriffen offenbar. Zudem verfügt sie über eine bühnenreife Sprechstimme [...] ein musikalisches Vergnügen auf höchstem Niveau. Lippisches Kultur-Journal, Detmold, 26.9.2012

 

Wyttenbach ist komponierend immer auch ein Sprachvirtuose, und so lässt er seine «violoniste chantante» (in «Trois Chansons Violées») tatsächlich auch singen, meist aber sprechen, juchzen, girren, schreien, lachen, plärren, stottern – und geigen; auch mit einer Haarnadel, zwischen die e- und a-Saite gesteckt, mit der sich dann ein rasendes Tremolo spielen lässt, was die ausgezeichnete Noëlle-Anne Darbellay als übermütige Komödiantin herrlich hinbekam. Basler Landschaftliche Zeitung, 18.3.2010

 

Bei ihren Auftritten fasziniert Noëlle­Anne Darbellay ihr Publikum, wenn sie auf virtuose Weise gleichzeitig spricht, singt und spielt und sie überzeugt mit der Glaubwürdigkeit ihrer Interpretationen: es geht ihr dabei nie um pure Selbstdarstellung, sondern vielmehr um das präzise Ausfüllen der „Figur“, die sie in den unterschiedlichen Performances darstellt. Dabei überschreitet sie immer wieder auf überraschende Weise Grenzen des Sehens und des Hörens. Cécile Olshausen, Musikjournalistin

 

Noëlle-Anne Darbellay profiliert sich zunehmend als Spezialistin für avantgardistische Violinmusik, namentlich im Zusammenhang mit Performance-Elementen. Sie kommt auf dieser CD mehrfach zum Zug, etwa in „B-A-C-H“ für Violine solo. Bemerkenswert sind auch „Sadia“ und „Incident Room“, die Violinklang und Stimme (Texte von Béatrice Libert und Ken Edwards) kombinieren. Eindrücklich ist, wie hier facettenreiche Dialoge von einer Person realisiert werden – nicht zuletzt eine beträchtliche technische Herausforderung. 
Musik und Theater, 6.6.2012, Stephan Thomas